Vom Arbeitsmodus in den Flow-Modus

„Sich-treiben-lassen“ statt „ranklotzen“

Die meisten von uns haben gelernt "ranzuklotzen", um vorzeigbare Ergebnisse zu erzielen. Die wenigsten von uns kennen eine andere Form des Arbeitens, nämlich die, bei der man sich treiben lässt und in tiefere Ebenen des Selbst vordringt. Dort liegen ungeahnte kreative Ansätze und Lösungen verborgen. Unser Schulsystem und unsere Arbeitswelt kennen intuitives Vorgehen kaum, so wie Künstler es kennen. Daher beschränken sich die meisten Menschen darauf, mit diesem eingeschränkten Alltagsselbst zu leben und dringen selten tiefer vor.

Durch Schreiben zum kreativen Flow

Schreiben ist ein Weg, um in tiefere Ebenen des Selbst zu gelangen und sich dem kreativen Flow zu überlassen. Das gelingt allerdings nur, wenn wir uns dem Schreiben anders annähern, als wir es gewohnt sind. Eine Frau sagte einmal zu mir, sie müsse das Schreiben nicht lernen, schließlich habe sie Journalistik studiert. Wie so oft geht es darum, alte Konzepte loszulassen. Die meisten Menschen verbinden Schreiben mit Arbeit und denken, sie müssten sich dabei anstrengen. Mit Fleiß können wir zwar Gedanken auf Papier einsammeln, kommen aber nicht an unser intuitives Wissen heran.

Auf dem Papier spazieren

Ich habe noch nie meditiert, jedenfalls nicht mit der bewussten Absicht. Eventuell meditiere ich ab und an, wenn ich mit meiner Hündin unterwegs bin, und merke es gar nicht. Ich glaube dennoch zu wissen, wie sich meditieren "anfühlen" sollte, denn ich kenne den Flow-Modus beim Schreiben, der dem angestrebten Zustand bei der Meditation nahe kommt. Es geschieht, wenn sich das Schreiben wie ein Spaziergang anfühlt. 

 

Unsere innere Stimme nehmen wir wahr, wenn wir still sind und sie geschehen lassen, wenn wir aufhören, sie herbei zwingen zu wollen und wenn wir nicht mehr bewerten, was wir wahrnehmen.

Die Reise, deren Ziel offen ist

Schreibend begibt man sich auf eine Reise, deren Ziel offen ist. Dieses Bild trifft es ganz gut. Erst wenn wir die Kontrolle über den Verlauf der Reise loslassen, kommen wir an all die Schätze, die am Wegesrand liegen. Unsere innere Stimme, d.h. unsere Intuition, der wir grundsätzlich vertrauen sollten, weil sie am besten weiß, was gut für uns ist, lässt sich nicht durch Entschlossenheit oder durch unseren „Arbeitsmodus“ hervorlocken. Es braucht den absichtslosen Weg - das "Sich-treiben-lassen"...

Tipps für den Einstieg

  • Stelle den Wecker am Morgen 10-15 Minuten früher und bringe noch während du deinen Kaffee trinkst deine Gedanken und Gefühle unzensiert auf Papier.
  • Denke nicht nach, lege einfach los und schreibe zügig alles auf, was dir in den Sinn kommt. Alles ist gleichwichtig, selektiere deine Gedanken und Gefühle nicht.
  • Verstecke deine Aufzeichnungen, vergrabe sie, schließe sie weg oder verbrenne sie (vorsichtig!). Sie sind nur für dich selbst gedacht, für niemanden sonst. Du musst sie nicht aufheben oder noch einmal lesen. Nur, wenn du das willst.
  • Schreibe regelmäßig auf diese Art, dann kommt sehr bald das erste Flow-Erlebnis.

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