Buchbesprechung: Wir sind eins: Über den Wahnsinn der Mensch-Nutztierbeziehung

Es braucht unendlich viel Liebe und unglaublich viel Mut, ein Buch zu schreiben, wie es Irmgard Baumgartner getan hat…

 

Tiere haben in der Welt der Menschen keine Stimme. Tiere sind menschlichen Gräueltaten gnadenlos und hilflos ausgeliefert. Tiere, denen wir den traurigen Namen „Nutztiere“ verliehen haben, erleiden tagtäglich unfassbares Leid, weil unser Wirtschaftssystem längst pervertiert ist, zu einer eiskalten, ausbeuterischen und zerstörerischen Maschinerie.

Irmgard Baumgartner gibt Tieren mit ihrem Buch ‚Wir sind eins: Über den Wahnsinn der Mensch-Nutztierbeziehung‘ endlich eine Stimme. Ihre Liebe für die Tiere muss so groß sein, dass sie den unglaublichen Mut aufgebracht hat, auch in die tiefsten Abgründe unserer kranken Zivilisation zu steigen und dorthin zu schauen, wo wir anderen wegschauen. Wegschauen, weil wir es nicht ertragen. Wegschauen, weil wir uns mit unserer eigenen Gleichgültigkeit, unserer eigenen Abartigkeit und unserer eigenen Zerstörungswut konfrontieren müssten.

Durch ihre fein gearbeiteten Recherchen und Beschreibungen dessen, was sie selbst an entsetzlichem Leid von Tieren gesehen und erlebt hat, richtet sie einen Scheinwerfer in unser verdrängtes Schattenreich. Was wir den Tieren dieser Welt antun, tun wir letztendlich uns selbst an, sagt Irmgard Baumgartner bereits mit dem Titel ‚Wir sind eins‘. Nicht nur unsere zutiefst gestörte Beziehung zur Tierwelt und zur Natur macht deutlich, dass sich die Welt längst in einem Zustand des Burnouts befindet, wie Irmgard Baumgartner diagnostiziert, sondern auch die individuelle Ebene zeigt, mit einer rasant ansteigenden Zahl an psychischen Erkrankungen, die Symptome der Erschöpfung.

Heilen kann uns nicht unser Hass, unsere Ablehnung oder Verurteilung derer, die besonders viel Leid zufügen, sondern nur unser Verzeihen, unser Mitgefühl für die Täter und für uns selbst sowie unsere Liebe für die wunderbaren Geschöpfe dieser Erde, ist Irmgard Baumgartners Botschaft an die Welt. Das Buch ist ein Meisterwerk journalistischer Aufdeckungs- und Aufklärungsarbeit und zugleich das spirituelle Buch einer Liebenden.

Möge ‚Wir sind eins: Über den Wahnsinn der Mensch-Nutztierbeziehung‘ möglichst viele Menschen erreichen, möge es möglichst viele Herzen öffnen und unseren gesammelten Mut entfachen, damit wir uns endlich mit unserem Schattenreich konfrontieren und uns liebend in Richtung Licht aufmachen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Rudi Krawitz (Donnerstag, 14 September 2017 19:08)

    Klar, liebevoll und dennoch mit dem notwendigen kritischen Nachdruck geschrieben, diese Rezension. Und ohne den normativ moralisierenden Zeigefinger zu erheben.
    Es wäre schön, wenn diese Besprechung dem Buch zu einer weiteren Verbreitung verhülfe.