Über gedankliches Wiederkäuen

Frauen grübeln, Männer lenken sich ab

Der Fachbegriff für gedankliches Wiederkäuen ist Ruminieren bzw. Rumination und entspricht dem umgangssprachlichen Grübeln. Es hat sich gezeigt, dass besonders Frauen häufig grübeln und sich in ungesunden Gedankenkarussellen verlieren. Man weiß nämlich, dass Ruminieren im Zusammenhang mit Depression steht. Also grübelnde Menschen haben mehr depressive Symptome als nicht grübelnde Menschen. Zudem gibt es wie so häufig einen Geschlechterunterschied. Während sich Männer bei gedrückter Stimmung ablenken, fallen Frauen eher ins Ruminieren. Fragt sich, ob die männliche Strategie auch längerfristig die bessere ist, aber immerhin scheint sie erst einmal die "gesündere" zu sein.

Die Farbe und der Inhalt macht den Unterschied

Nachdenken ist nicht grundsätzlich negativ, sondern hängt davon ab wie nachgedacht wird. Es gibt natürlich durchaus produktive Gedanken, im Sinne der Entwicklung von Problemlösestrategien. Das weibliche Durchdenken könnte also dem männlichen Verdrängen durchaus auch überlegen sein. Entscheidend ist die Farbe der Gedanken und ihr Inhalt. Sind wir geknickt, sind unsere Gedanken dementsprechend düster gefärbt und malen wir uns Katastrophenszenarien aus, dann besteht die Gefahr in einen negativen Teufelskreis zu geraten.

Achtsamkeit und Selbstmitgefühl

Wer mit den eigenen Gedanken achtsam umgeht, hat gelernt sie in einer Balance zu halten und sich nicht allzu stark mit ihnen zu identifizieren. Wer sich Mitgefühl entgegenbringt, wird sich selbst bei Schwierigkeiten kaum Vorwürfe machen bzw. das Messer in die Wunde tun. Beide Prinzipien lassen sich daher schwer mit dem gedanklichen Wiederkäuen vereinbaren. Eine hilfreiche Strategie ist das Niederschreiben von Gedanken und Gefühlen und hat sich als effektiv gegen Rumination gezeigt. Mehr dazu unter NEMM-Schreiben©.

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Jule Jawhari

Bachelor of Arts (Theater)

Master of Science (Psychologie)