Medikalisierung weiblicher Lebensprozesse

Natürliche Prozesse des weiblichen Organismus

Menstruation, Schwangerschaft und Geburt sowie die Wechseljahre sind natürliche Lebensprozesse des weiblichen Organismus. Sie laufen mehr oder weniger störungsfrei ab und brauchen im Grunde keine besondere Aufmerksamkeit. Die Natur sieht weder eine therapeutische noch eine medikamentöse Begleitung dieser körperlichen Vorgänge vor.

Gesellschaftliche Pathologisierung der Frau

In unserer modernen Zeit ist es selbstverständlich, Kinder in Kliniken auf die Welt zu bringen, Geburtsschmerzen medikamentös auszuschalten und sogar Geburten per Kaiserschnitt auf Wunsch durchzuführen. Frauen werden in der Regel wenig bestärkt sich den natürlichen Prozessen ihres Körpers anzuvertrauen und hinzugeben. Gedroht wird mit allerlei Gefahren und das Recht auf weibliche Selbstbestimung muss erst mutig gegen Pathologisierungskonsens eingefordert werden.

Gesund ist, was reibungslos funktioniert

Unsere Welt ist derart bestimmt vom "Maschinendenken" in Bezug auf den menschlichen Körper und seine Optimierung, sodass Gesundheit meist gleichgesetzt wird mit reibungslosem Funktionieren. Immerhin werden inzwischen seelische und soziale Einflüsse als nicht unbedeutende Variablen im Einfluss auf den menschlichen Organismus anerkannt. Aber auch hier werden zutiefst menschliche Prozesse wie z.B. Trauer pathologisiert, wenn sie nicht in einem bestimmten zeitlichen Rahmen abgehandelt werden.

Der Markt für die älter werdende Frau

Es erstaunt nicht, dass auch das Älterwerden der Frau kritisch beäugt wird und einer Krankheit gleich seinen pharmakologischen Markt gefunden hat. Einer Frau in den Wechseljahren wird nahegelegt, den Übergang in die Zeit nach der Gebärfähigkeit durch Hormonpräparate zu steuern und zu beeinflussen. Dabei wird wieder einmal dem natürlichen Prozess des Lebens misstraut und entgegengetreten. Und so muss letztendlich auch die eigene Endlichkeit verdrängt werden. Denn wie soll man den Tod nur verstehen und einordnen? Hat doch bisher noch keiner eine Pille gegen ihn gefunden...

Haben Sie Erfahrung mit der Medikalisierung weiblicher Lebensprozesse?

Ich freue mich über Kommentare.

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Kommentare: 2
  • #1

    Claudia R. Winck (Mittwoch, 22 Februar 2017 17:25)

    Ich teile Ihre Ansicht und Wahrnehmung.
    Diese Medikalisierung ist nur eine weitere Facette einer zunehmenden Entfremdung von natürlichen Prozessen und Lebensabläufen.
    Ihr zum Opfer fallen meines Erachtens hauptsächlich Frauen, die sich entweder sehr über ihr Aussehen definieren und deswegen unbedingt ihre Jugendlichkeit bewahren wollen, und/ oder die Frau-Sein in all seinem, auch spirituellem Reichtum nicht erfassen.
    Jung-frau, Geliebte/Mutter, Alte/Weise - die keltische Sichtweise trifft es ganz gut und in jedem Zyklus hat die Frau eine ihr ureigene Aufgabe.
    Im bewussten Durchschreiten und Annehmen dieser Lebensschritte kann sich eine große Kraft entfalten.
    Ist diese in einer männerorientierten Welt, in der die Sicht auf die Frau, auf das Weibliche durch einen noch immer männerdominierten Blickwinkel verengt wird, überhaupt erwünscht?
    Patriarchalische Gesellschaftsstrukturen und patriarchalische Religionen haben Frauen kleingemacht und kleingehalten.
    Die von Ihnen angesprochene Medikalisierung ist nur ein weiterer Baustein davon.

  • #2

    Julia Jawhari (Donnerstag, 23 Februar 2017 16:59)

    Das mag mit unseren patriarchalen Gesellschaftsstrukturen zutun haben oder daraus entstanden sein. Umso erschreckender, dass Frauen sich selbst kleinmachen und dem Leben und sich selbst so wenig vertrauen...