Zweite Lebenshälfte, eine neue Ära beginnt...

Wir müssen unsere eigene Seele bewohnen, um herauszufinden, wer wir sind und wo wir mit der Innigkeit unseres Herzens die Welt berühren. Niemand anders kann uns das zeigen; die Landkarten, die andere besitzen, sind für uns nutzlos.
 
(Angeles Arrien, frei übersetzt aus dem Englischen)

Loslassen, abstreifen, abwerfen

Der Übergang zur zweiten Lebenshälfte birgt die Chance in sich, dass wir das werden, was wir wirklich sind. Denn wahrscheinlich kamen wir, viel zu beschäftigt, bisher einfach nicht dazu! Ungefähr ab der Lebenmitte werden die Weichen neu gestellt oder eben nicht. Mache ich weiter wie immer? Stelle ich alles auf den Prüfstand, um bestimmte Dinge, falls für die zweite Lebenshälfte nicht von Belang, loszulassen, abzustreifen, abzuwerfen? Eine Art Generalüberholung festgefahrener Lebensmuster?

Die Muster ändern

Schon Carl Gutav Jung (1875-1961) hat erkannt, dass wir die zweite Lebenshälfte nicht nach dem Muster der ersten leben können. Wenn wir es dennoch versuchen, können wir uns eigentlich nur von uns selbst entfernen. Wir halten dann künstlich aufrecht, was verändert, was entwickelt werden will. Warum wollen wir um jeden Preis jung bleiben? Versuchen wir es, sind wir sowieso nur eine schlechte Kopie echter Jugend. Warum nicht lieber die Schätze des reiferen und reifen Alters heben?

In eine neue Epoche eintreten

Die Bilder vom Alter, die unsere Gesellschaft zeichnet, sind nicht gerade einladend. Wir haben wenig Vorbilder geglückten Alterns. In unseren Köpfen dominieren Bilder von heruntergezogenen Mundwinkeln alter Menschen, schlechten Versorgungsstrukturen in Altenheimen und kalter Einsamkeit. Geglücktes Altern kann mit Sicherheit nur gelingen, wenn wir diese Bilder in unseren Köpfen hinterfragen, sie durch hoffnungsvolle ersetzen und wenn wir bereit sind, mit der zweiten Lebenshälfte in eine ganz neue Epoche einzutreten.

Sinnfindung statt Ambition

Sind wir in der ersten Lebenhälfte vorallem damit beschäftigt, Dinge zu erreichen, aufzubauen und unsere Kompetenzen zu erweitern bzw. unter Beweis zu stellen, ist der Übergang in die zweite Lebenhälfte die Zeit der Innenschau. Wir haben die Möglichkeit unser künstliches Selbst, das uns bisweilen nützlich war, durch das authentische zu ersetzen. Und wir können letztendlich versuchen, die große Frage nach dem Sinn unserer Existenz zu beantworten.

Weisheit statt Performanz

Warum spielt Weisheit in unserer Gesellschaft eine so geringe Rolle? Wo befinden sich die alten Weisen, die der jüngeren Generation mit ihrem Erfahrungswissen und ihrem Rat zur Seite stehen? Wenn die erste Lebenshälfte die Zeit des Aufbaus und der Performanz ist, könnte die zweite Lebenshälfte der Entwicklung von Weisheit gewidmet sein. Kann es aber sein, dass nur wenige Menschen "im Zeitalter der ewigen Jugend" es schaffen, diesen Schritt zu gehen und stattdessen darauf fixiert bleiben, was im Alter alles nicht mehr geht. Einfach deswegen, weil sie es verpasst haben, innerlich mit der zweiten Lebenshälfte in eine ganz neue Ära einzutreten?!

Welche Bilder vom Alter haben Sie?

Ich freue mich sehr über Rückmeldungen, Fragen und Anregungen. Hier als Kommentar. Herzlichen Dank!

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