Angst vor Ablehnung

Kennen Sie das nagende Gefühl in der Brust, wenn Ihnen Ablehnung widerfährt? Unter Ablehnung verstehen wir ein "Nein" in Bezug auf unsere Person oder eine Sache, die wir uns wünschen.

Es braucht schon ein gutes Selbstwertgefühl, um sich von realer, vorgestellter oder in Ablehnung transformierter neutraler Rückmeldung nicht herunterziehen zu lassen. Im Folgenden gehe ich auf die drei Formen dieser nagenden "Niederlagen" ein:

Reale Ablehnung

Neulich erhielt ich auf das Zusenden meines Trainingsangebotes von einem potentiellen Auftraggeber folgende Rückmeldung:

 

Hallo Frau Jawhari, ich habe an Ihrem Angebot leider kein Interesse. Bitte sehen Sie von weiteren Anrufen oder Werbemails ab. (Mein Name war falsch geschrieben, was ich hier aus Respekt vor mir selbst korrigiert habe!)

 

Einen Augenblick lang war es wieder da, dieses nagende Gefühl in meiner Brust. Denn in diesem Fall war die Ablehnung auch noch recht unfreundlich ausgesprochen. Ich hätte mir, wenn schon NEIN, ungefähr folgende Formulierung gewünscht:

 

Liebe Frau Jawhari, es tut mir leid, aber derzeit haben wir keine Kapazitäten. Falls sich das ändern sollte, komme ich sehr gerne auf Sie zurück.

 

Was mich einen Moment lang noch dazu kränkte, war die Tatsache, dass die Person so tat, als wäre ich aufdringlich gewesen. Dabei hatte ich eine E-Mail geschrieben und einmal mit ihrer Sekretärin telefoniert. Geholfen hat mir das Durchdenken folgender Möglichkeiten:

 

a. Die mich ablehnende Person ist ein unzufriedener Mensch.

b. Der mich ablehnenden Person ist an diesem Morgen "eine Laus über die Leber gelaufen" (Ärger mit Chef, Partner, Kindern o.a.).

c. Der mich ablehnenden Person ist aufgrund mangelnder intellektueller Fähigkeiten nicht klargeworden, worum es in meinem interessanten Angebot geht.

d. Die mich ablehnende Person ist auf jeden Fall eine "blöde Kuh", denn gerade bei Absagen sollte man freundlich vorgehen.

 

Die große Kunst ist also, eine Ablehnung nicht persönlich zu nehmen, was wir meistens tun.

Vorgestellte Ablehnung

Viel verheerender als die reale, ist die vorgestellte Ablehnung. Ich glaube, sie ist die häufigste der drei Varianten. Wir wissen noch gar nicht, ob wir mit unserer Person oder einem Vorhaben auf Ablehnung stoßen. Wir gehen einfach davon aus! Noch schlimmer - wir stellen uns die Ablehnung in scheußlichster Form vor. Und wir reden uns noch dazu ein, eine Ablehnung sei gerechtfertigt. Wir meinen, was wir anzubieten haben, sei sowieso unzulänglich. Im Grunde lehnen wir uns selbst ab, und das in der grausamsten Art und Weise! Dadurch völlig gelähmt, wagen wir nicht einmal den Versuch, uns zu zeigen oder für uns einzustehen.

In Ablehnung transformierte neutrale Rückmeldungen

Eine andere Form des negativen "Kopfkinos" ist, wenn wir neutrale Rückmeldungen in Ablehnung transformieren. Unser Gegenüber springt nicht ganz so begeistert auf das an, was wir gerne hätten und wir interpretieren seine Neutralität als vernichtende Ablehnung. Wenn Sie einmal eine E-Mail nach ein paar Tagen zum zweiten Mal lesen, fällt Ihnen unter Umständen dieser Mechanismus auf. Beim erneuten Lesen, also mit der größeren Distanz, hört sich das Geschriebene gar nicht mehr so ablehnend an. Beim ersten Lesen haben wir es aber so verstanden!

Was hilft gegen die Angst vor Ablehnung?

Ein hoher Selbstwert und eine hohe Frustrationstoleranz. Weil Sie das wahrscheinlich, wie die meisten Menschen, nicht besitzen, hilft nur Übung. Suchen Sie bewusst Situationen auf, in denen Sie Ablehnung erwarten. Fangen Sie klein an!

 

Beispiel (für Anfänger): Sie fragen bei Media Markt nach einem Produkt und nehmen die unfreundliche Kundenberatung nicht persönlich.

 

Beispiel (für Fortgeschrittene): Sie bitten Ihren Chef um ein Gespräch und machen Ihm Vorschläge zur Optimierung bestimmter Arbeitsabläufe. Eine ablehnende Rückmeldung nehmen Sie nicht persönlich, eine neutrale transformieren Sie nicht in eine ablehnende und vor dem Gespräch stellen Sie sich seine Ablehnung nicht bereits vor.

 

Je öfter Sie mit den verschiedenen Formen der Ablehnung umgehen, desto geübter werden Sie. Nichts ist schlimmer als Vermeidung!

 

Expressives Schreiben ist ein effektiver Weg, sich die eigenen Gedanken und Gefühle bewusst zu machen und zu transformieren.

Wenn Sie Wege kennen, mit der Angst vor Ablehnung umzugehen oder Fragen und Anregungen haben, schreiben Sie hier einen Kommentar. Danke!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0