Mit der Schnauze ins Glück

Seit sich jeden Morgen eine nasskalte Schnauze an mein Gesicht drückt und mir den Tag hindurch, auf Schritt und Tritt ein schnüffelnder Vierbeiner folgt, bin ich glücklich. Seit ich den Haushalt, außer mit anderen Zweibeinern, mit einem Hund teile, bin ich glücklich. Immer wieder, immer öfter und immer nachhaltiger. Auf sehr einfache Art.

Zuvor war es ein Kater, der entscheidend zu meinem Glücklichsein beigetragen hat. Als er gestorben ist, fiel die Entscheidung auf den Hund. Hätte ich Freunde und Bekannte gefragt, hätten sie abgeraten. Alle pragmatischen Gründe sprechen gegen das Halten eines Haustiers, insbesondere das eines Hundes. Er macht Arbeit und Dreck und er bleibt nicht allein, lauten die gut gemeinten Ratschläge. Zum Glück habe ich niemanden gefragt.

Das mit der Arbeit und dem Dreck, ist richtig. Das mit dem Nichtalleinbleibenwollen sicher auch. Ich habe es noch nicht ausprobiert, weil ich meinen Hund gerne um mich habe und am liebsten überallhin mitnehme. Die paar Unannehmlichkeiten sind eigentlich gar nichts, gegenüber der Ladung Glück, die man abbekommt, wenn man einen Hund hat. Was ist schon das bisschen Staubsaugen, Gassi gehen und Hundehaufen einsammeln, wenn man all die trüben Gedanken, all den Stress, den man immer mit sich herumgeschleppt hat, loswird?

 

Man hat jetzt einen anderen verlässlichen Begleiter. Den Hund.

Ich möchte näher auf das Gassi gehen eingehen. Denn hier sehe ich einen der Gründe, warum der Mensch mit Hund glücklich ist. Der Hund nimmt einem die Entscheidung für oder gegen Bewegung im Freien ab. Tagtäglich. Und das schon morgens früh um Sechs. Er muss vor die Tür. Drei- bis viermal am Tag. Natürlich hält er sich am liebsten in der prallen Natur auf, sodass wir mit ihm Wald und Wiesen aufsuchen.



Die Jahreszeiten kommen und gehen, man läuft die immer gleichen Wege, wechselt hier und da ein wenig ab. Man erlebt, wie sich die Blätter färben und wie sie fallen (Ich wusste früher nicht, dass es auch Blätter schneien kann). Man setzt die Füße auf bunte Laubteppiche, während der vierbeinige Freund sich freut. Jeden Tag aufs Neue, mit der Schnauze im Dreck. Seine Bewegungsfreude an der frischen Luft ist ansteckend. Es ist anders, als wenn man sich mit sich selbst zum Joggen verabredet hat. Denn man hat diesen aufmerksamen Begleiter bei sich, der einem beständig zeigt, wie wichtig man für ihn ist. In regelmäßigen Abständen dreht er den Kopf, um sich zu vergewissern, dass man noch da ist und hier und da bekommt man einen kleinen Stupser mit der Schnauze. Und man landet im Glück.

Zurück zuhause freut sich der Hund wieder. Diesmal am Futter, das er ohne Angst vor Kalorien in Windeseile verschlingt. Danach legt er sich zur Ruhe, gibt genüssliche Laute von sich, streckt sich und fällt in tiefen Schlaf. Schnarchend. Er schläft den lieben langen Tag. Auch das Faulenzen hat etwas Ansteckendes. Alles, was man gerade tut oder unternimmt, verliert an Wichtigkeit, weil der Hund es verschläft. Hat man sich eben noch über etwas geärgert oder unter Druck gesetzt, hört man damit auf, wenn der Hund die Schnauze hebt, einen erstaunt anblinzelt und seufzend wieder in Tiefschlaf fällt. Wollte man früher das, woran man gerade arbeitet, noch schnell zu Ende bringen, steht heute ein Vierbeiner am Schreibtisch und knappert am Pulli. Aufhören, ich will raus, teilt er uns mit. Und schon macht man sich auf die Socken. Arbeit hin oder her. Zurück am Schreibtisch hat man Distanz gewonnen und die unvollständigen Aufgaben lassen sich viel besser erledigen.

Das Schönste aber am Zusammenleben mit dem Hund sind seine Zuneigung und seine Liebesbekundungen. Am Abend legt er seine Schnauze auf unseren Bauch und lässt sich hinter den Ohren graulen. Am Morgen drückt er uns die Schnauze aufgeregt ins Gesicht. Und niemand auf der Welt freut sich über ein Wiedersehen mit uns so sehr und bringt es so überschwänglich (wedelnd) zum Ausdruck wie unser Hund. Das, selbst dann, wenn wir gerade nur vom Müllraustragen zurückkommen. Für ihn müssen wir nicht schön, reich oder erfolgreich sein. Er liebt uns, ganz egal wie wir aussehen oder was wir geleistet haben. Jeden Tag aufs Neue, mit immer gleicher Intensität und Verlässlichkeit.

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Jule Jawhari

Bachelor of Arts (Theater)

Master of Science (Psychologie)